Willkommen auf den Zeitpfaden - Ihrer digitalen Entdeckungstour durch die lange und spannende Geschichte der Gemeinde Westhausen und Haubinda.
Erkunden Sie abwechslungsreiche Wander- und Radwege und erfahren Sie dabei Wissenswertes über historische Sehenswürdigkeiten sowie die natürlichen Besonderheiten unserer Region ganz bequem auf Ihrem Smartphone oder Laptop.
Unterwegs erwarten Sie zudem hilfreiche Tipps: von idyllischen Picknickplätzen mit herrlicher Aussicht über Möglichkeiten zur Proviantversorgung bis hin zu gemütlichen, gastfreundlichen Gasthäusern, die zum Verweilen einladen.
Wir wünschen Ihnen eine erlebnisreiche Zeit und freuen uns, wenn Sie Ihre Eindrücke mit Freunden und Familie teilen und weitererzählen, wie schön und einladend es bei uns ist.
Ulf Neundorf, Bürgermeister von Westhausen
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Burkhard Werner, Schulleiter Hermann-Lietz-Schule / Internatsdorf Haubinda
Ulf Neundorf, Bürgermeister von Westhausen
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Burkhard Werner, Schulleiter Hermann-Lietz-Schule / Internatsdorf Haubinda
30 km nordwestlich von Coburg, 40 km südostlich von Meiningen und 40km südlich des Thüringer Walds, in östlicher Verlängerung des Landkreises Rhön-Grabfeld liegt in einem sich von Schlechtsart und Haubinda über Gellershausen bis Heldburg erstreckenden Tal, direkt am Fluss Kreck, das Fränkische Haufendorf Westhausen. Dieses gut geschützte Tal eignet sich hervorragend für landwirtschaftliche Siedlungen. Wegen der mäßigen Bodenqualität waren immer Vieh- und Forstwirtschaft, und in der Vergangenheit Obst- und Weinbau, vorherrschend.
Beim Geotop an der Streufdorfer Straße kann man die Geologie des Tals erkunden, die farbenfrohe Gesteinsformation Bunte Mergel. Diese entstand aus der wechselnden Ablagerung von meistens rotbraunen und grüngrauen Tonmergelgesteinen mit eingeschlossenen Gipsen und Salzen (Heldburggipsmergel). Diese Mergelgesteine lagerten sich in großen Binnenseen in einem wechselfeuchten Klima mit ausgeprägten Trockenphasen ab.
Die Landschaft ist geprägt von sanften Hügel wie dem Kiliansberg, die alte Terrassen für Obstgärten und (aufgegebene) Weinberge aufweisen, was typisch für die Region ist. Die Hügelketten, die das Tal flankieren, sind von Mischwald bedeckt und haben abgerundete Sporne, die aus den Flanken herausragen. Der bekannteste davon ist der sogenannte Hexenhügel zwischen Haubinda und Linden. Auch bemerkenswert sind die 1000-jährige Eiche am Waldrand des Flurstücks Pfingsthut und die Gruft Eiche bei Haubinda.
Von Menschen in der Vorgeschichte geschaffene Denkmäler bei Westhausen sind zwei ausgeplünderte Grabhügel aus der Bronzezeit. Der Keltenerlebnisweg und der Panoramaweg verbinden sich mit den Wanderwegen, die entlang des Hügelkamms von Haubinda nach Westhausen verlaufen, eine sehr beliebte Route für Wanderer. Diese sind jetzt auf unserer digitalen Wanderkarte leicht zu folgen, mit Einkehrmöglichkeiten und Sehenswürdigkeiten [link]. Um mehr über die Vorgeschichte der Gegend zu erfahren, können Sie das Steinsburgmuseum im nahegelegenen Gleichamberg besuchen.
Aus 1968 stammt der 20 ha große Stausee südlich von Westhausen, Resultat einer Bürgerinitiative, jetzt ein beliebte Angler- und Picknickplatz für Wanderer und Radfahrer.
Der Überlieferung nach schenkte Rudeger/Hruodgêr 776 n. Chr. einen Teil seines Besitzes in Westhausen dem Kloster Fulda, das um diese Zeit viele solcher Grundstücke in der Gegend erwarb. Das Kloster Fulda war ein sehr wichtiges Kloster des Benediktinerordens, gegründet in 744 n. Chr. im Auftrag des Heiligen Bonifatius, der angelsächsische „Apostel der Deutschen“.
Im 11. Jahrhundert arbeiteten zwei sehr begabte und produktive Mönche als Schreiber im Kloster Fulda, jetzt bekannt als die „Fuldaer Fälscher“. Wenn ein Dokument fehlte oder zerstört wurde, das sie zur Untermauerung verschiedener Rechte und Ansprüche auf Land und Eigentum benötigten, erstellten sie diese einfach, oft unter Berufung auf den Namen Bonifatius. Dies heißt jedoch nicht, dass dieses Dokument kein wahres Ereignis und Geschenk an das Kloster festhält; und als sicher gilt es, dass es sich auf dieses Westhausen "im Grabfeld" bezieht – und nicht auf ein anderes.
Wir wissen anhand archäologischer Ausgrabungen und zeitgenössischer Darstellungen, wie die fränkischen Krieger und der Landadel im 8. Jahrhundert n. Chr. ausgesehen haben. Sie waren mit einem Spangenhelm, Kettenhemd, rundem Schild, Lanze und Langschwert ausgerüstet; sie trugen ihre Bärte und Haare lang und geflochten. Für ihren Waffendienst erhielten sie Land – wie zum Beispiel Rudeger/Hruodgêr in Westhausen.
Während Rudeger/Hruodgêrs Leben gehörten die Thüringer bereits seit Langem zum Reich der Franken, das Karl der Große weiter festigte und ausbaute. Die fränkischen Haufendörfer wie Westhausen und Gompertshausen bestanden aus mehreren Einzelgehöften, die sich zu dreiseitigen Höfen mit der offenen Seite zur Straße entwickelten. Sie unterschieden sich von den langestreckten Straßendörfern wie Linden oder Schlechtsart, die viel später gegründet wurden, deutlich und sind leicht zu erkennen.
Die Westhauser sehen sich heute noch als Franken und kulturell als Teil der Region Niederfranken, das auch einen Großteil Nordbayerns umfasst.
Keller, Kirchen und Kapellen zählen oft zu den ältesten Bauwerken in einem Dorf. Sie bestehen aus Stein und sind dadurch weniger anfällig für Brände, die mittelalterliche Holz- und Fachwerkhäuser oft zerstörten. In Westhausen ist das nicht anders. Das älteste Gebäude ist hier wie vielerorts die Pfarrkirche.
Die Kirche in Westhausen ist einem der Vorgänger von Bonifatius, dem Heiligen Kilian, geweiht. Auf dem Kiliansberg, etwas südlich von Westhausen neben dem Stausee, soll er gepredigt haben. Er war als Apostel der Franken bekannt und wurde der Legende nach von Herzog Gosbert von Würzburg 689 n. Chr. als Märtyrer getötet. Im 8. Jahrhundert n. Chr. waren die ursprünglich heidnischen Franken dank der Missionierungsarbeit des Heiligen Kilian und des Heiligen Bonifatius schon fromme Christen. Eine Kirche oder Kapelle aus dieser Zeit ist noch nicht nachgewiesen, aber die heutige Kirche zeigt deutliche Spuren von mehreren Bauphasen. Doch wie alt ist sie eigentlich?
Links im Bild sind das Südtor der Kirche und ein schmales Rundbogenfenster zu sehen, die spätestens aus dem 12. Jahrhundert stammen, aber möglicherweise noch früher datieren. Rechts sieht man einen blockierten Türbogen, der zum ehemaligen, inzwischen abgerissenen Chor geführt hat, also ein Priestertor. Das bedeutet, dass die Kirche wahrscheinlich ursprünglich die Form eines schlichten Rechtecks hatte, mit einer Priestertür auf der Südseite des Chors. Solch ein Grundriss ist typisch für die frühesten fränkischen Kirchen. Der neue, schmalere Chor rechts davon mit Fünfachtelschluss der Apsis ist offensichtlich im späteren 15. Jahrhundert hinzugefügt worden. Das spätgotische Maßwerk in den Chorfenstern passt zu dieser Datierung. Der Kirchturm wurde in den 1820er Jahren renoviert, zuvor hatte er ein Satteldach, wie wir es noch heute in Schlechtsart und Milz in der Gegend sehen können.
Der Friedhof ist von großem Interesse. Es wird angenommen, dass es sich dabei um eine Burgkirche handelte, die durch dicke Friedhofmauern verteidigt wurde und mit einer Kemenate ausgestattet war, einem beheizten Steingebäude mit Lagerräumen. Dies hat bis in die späten 1990er Jahre überdauert. Es wurde abgerissen, um Platz für das neue Beinhaus zu schaffen, wobei ein interessantes Denkmal zu Tage kam. Dies scheint Teil einer Säule oder eines Sockels für ein Kreuz im Renaissancestil gewesen zu sein, an dessen Seiten noch klassisch griechische Schlüsselornamente zu sehen sind. Der Text ist beschädigt, aber man kann noch Folgendes lesen: "Ruhe sanft hier, wo die Schwüle banger Erdentage weicht". Diese Strophe stammt aus einem Trauerlied um 1790. Dies könnte also zu einem Denkmal gehören, das die Betrachter und Betrachterinnen zum Nachdenken anregen soll.
In Westhausen gab es außerdem zwei, möglicherweise sogar drei Kapellen. Diese sind von Legenden umrankt. Eine diese Kapelle war dem Heiligen Laurentius (Lorenz) geweiht und wurde erstmals 1460 erwähnt. Es wird angenommen, dass sich das Gebäude hinter dem später errichteten Schulgebäude befand. Es gibt Berichte über Grabsteinfunde vom Hofbauernhof zwischen diesem Ort und der Kirche, was auf einen an die Kapelle angeschlossenen Friedhof hindeuten könnte oder möglicherweise sogar darauf, dass der Kirchenfriedhof ursprünglich dieses gesamte Gebiet umfasste und dies eine Grabkapelle war. Das Wappen des Dorfes zeigt ein eisernes Rost, das an den Märtyrertod des Heiligen Lorenz erinnert.
Zudem gab es eine Kapelle Unserer Lieben Frau (St. Maria). Man vermutet, dass diese außerhalb des Westtors stand, im ursprünglich eigenständigen Weiler Honhusen, der erstmals 1314 erwähnt wurde. Der genaue Ort bleibt jedoch ungewiss. Das im Westhauser Wappen enthaltene Fleur-de-lis-Symbol ist eine Referenz auf Maria und somit vielleicht auf diese Marienkapelle zurückzuführen.
Die dritte Kapelle, die als Missionskapelle gilt und sehr früh erwähnt wird, ist dem Heiligen Petrus gewidmet. Die mit St. Petrus assoziierten Symbole erscheinen aber nicht im Dorfwappen. Der angegebene Standort dieser Kapelle scheint identisch mit der Hl.-Lorenz-Kapelle zu sein. Es ist möglich, dass irgendwann eine doppelte Widmung oder eine Umwidmung stattgefunden hat. Weitere Forschung ist vonnöten, um dieses Rätsel aufzuklären.
Die Kapellen wurden nach der Reformation aufgegeben und schließlich abgerissen. Manchmal wurden Spuren von ihnen entdeckt. Ein vermutlicher Überrest, der noch erhalten sein könnte, befindet sich im Keller der Hauptstraße 106, direkt vor dem Westtor im ehemaligen Honhusen. Dieser Keller stammt aus dem Jahr 1600, aber einer der hier verbauten Bögen stammt eindeutig aus dem 14. Jahrhundert und ist von hoher Qualität, was auf einen kirchlichen Ursprung hindeuten könnte. Könnte dieses Bauteil aus einer der Kapellen – vielleicht der Kapelle Unserer Lieben Frau, die genau aus dieser Zeit stammt – wiederverwendet worden sein? Die Wiederverwendung von architektonischen Elemente – sogenannten Spolien – ist ein wohlbekanntes Phänomen.
Mehrere weitere Keller stammen aus dem späteren 16. Jahrhundert oder später, zum Beispiel der großräumige Keller unter dem Gasthaus Zum Grünen Baum (1552) oder der Keller des alten Westtorhauses, datiert ins 16. Jahrhundert. Die heute darüber stehenden Fachwerkhäuser stammen größtenteils aus dem späten 17., 18. oder 19. Jahrhundert – Zeugen von den häufigen Bränden, die das Dorf immer wieder verwüsteten.
Die Namen von Westhauser Geistlichen sind uns seit 1436 überliefert. M. Jodocus (Jodok) Morlinus war Professor der Philosophie in Wittenberg, aber dauerhaft so arm, dass Martin Luther ihn für die Rolle des ersten protestantischen Vikars von Westhausen empfiehl, damit er ein festes Einkommen hatte. Aus diesem und anderen Belegen geht hervor, dass Westhausen ein wohlhabendes Dorf war und einen besonderen Status als eine der ältesten Pfarreien der Gegend, als „Urpfarrei“, innehatte.
Morlinus trat das Amt 1521 an. Er erwies sich als sehr fleißig und war beliebt, aber es gab ein Problem, das vielleicht auch der Grund für seine finanziellen Probleme war. Er liebte es, ein Gläschen zu trinken – oder auch gleich zehn… Er musste bei einer Visitation, dem Besuch eines Vorgesetzten, im Jahre 1528 offiziell verwarnt werden, um seinem „Hang zur Sauferei“ ein Ende zu setzen. Es wurde sogar angedroht, ihn abzusetzen, wenn er sich nicht bessere. In den Akten ist überliefert:
“Obwohl das Pfarr-Volk ihm seiner Lehre halben das Zeugnis gab, dass er in Predigung des göttlichen Worts allen Fleiß tue, und sie an ihm keinen Mangel hätten, so beschwerten sie sich doch, dass er sich den Trunk überwinden und bekriegen ließ. Darauf ist ihm der Bescheid gegeben worden, sich solch seines Saufens und Trinkens zu mäßigen, und in dem Fall ein erbarlich züchtig Leben zu führen“.
Tatsächlich scheint er dieses Problem überwunden zu haben, da er der Gemeinde fast 30 Jahre diente. Der Steinaltar in der Kirche wurde 1550 in seinem Namen und in seinem Gedenken errichtet. Zwei seiner Söhne machten ebenfalls Karriere in der Kirche, sein ältester Sohn Joachim war sogar Kaplan zu Luther und wurde später Bischof in Samland (heute Kaliningrad) und nach seinem Tod im Dom zu Königsberg bestattet. Die Mörlins wurden berühmt als „Luthers Mitstreiter“.
Die wohl älteste Darstellung eines Westhausers überhaupt ist noch heute an der Außenwand des Chors zu sehen: das Grabmal von Hieronymus Bauer, Mörlins Nachfolger, der 50 Jahre lang hier wirkte. Er starb im Jahre 1600 und offensichtlich wollten die dankbaren Westhauser seinem langen Dienst mit diesem teuren Monument ein würdiges Denkmal setzen. Er ist umgeben von molligen Putten dargestellt, den üblichen Symbolen der Sterblichkeit.
Westhausen wurde während des Dreißigjährigen Krieges mehrfach von Truppen aus fast ganz Europa heimgesucht und geplündert. 1640 wird von einem Mord und dem Diebstahl von mehreren Eseln berichtet.
Die kaiserlichen Truppen – in diesem Fall aus Kroatien – erschienen in Westhausen und beschlagnahmten prompt drei Esel, bevor sie weiterzogen. Einer der Soldaten blieb jedoch zurück und machte sich mit einem der Esel im Schlepptau auf den Weg zur Dorfmühle am Rand des Dorfes, die heute als Rixenmühle bekannt ist. Jedoch wurde er an der Mühle von drei schwedischen Musketieren, die plötzlich auftauchten, überrascht. Ein Schuss fiel, dann zogen die drei Soldaten weiter.
Aus der Ferne beobachteten die Westhauser dieses Geschehen in Angst und Schrecken. Als die Musketiere fort waren, näherten sie sich der Mühle. Der Esel war weg, aber der Kroate lag tot am Boden, erschossen. Die Westhauser waren sich im Klaren, dass dieser Mord ihnen zum Verhängnis werden könnte, denn die kaiserlichen Truppen würden wohl von der Schuld der Dörfler ausgehen und blutige Rache nehmen. Es gab sogar einen ähnlichen Fall 10 Jahre zuvor… Was tun?!
Als die kroatischen Truppen kurz darauf tatsächlich anrückten, wurde die Leiche schnell in einer Hecke neben der Mühle versteckt. Die Soldaten durchsuchten wie erwartet die Mühle sowie die anderen Gebäude und zogen, mit allem was im Dorf noch zu finden war, weiter. Arm, aber noch am Leben, atmeten die Bewohner und Bewohnerinnen des Dorfes auf.
Durch solche regelmäßige Plünderungen und weiteren Faktoren wie die Unterbrechung der Handelswege wurde die Einwohnerzahl Westhausens um 80% reduziert. Das Dorf erholte sich in Zeiten des Friedens aber schnell, als Familien und Soldaten in ihre Heimat zurückkehrten. In den letzten Jahren wurde im Mühlenbach ein Schädel gefunden, der die Aufmerksamkeit der Polizei erregte. Stammte dieser Schädel etwa vom erschossenen Kroaten? Wir werden es wohl nie erfahren.
Der Glaube an Magie ist eine Konstante in der Menschheitsgeschichte, wobei magische Fähigkeiten besonders häufig Frauen zugeschrieben werden. Die Gründe hierfür sind vielschichtig und tief in gesellschaftlichen Strukturen verwurzelt, in denen Macht und Kontrolle (z. B. über Wissen, Status oder Geschlecht) eine wichtige Rolle spielen. Oft hatte dies tragische Folgen für diese Frauen und manchmal auch für Männer und Kinder, leider auch heute noch. Ein Opfer der hysterischen Hexenverfolgung des 17. Jahrhundert war Margaretha Rückert. Margaretha wurde 1610 im von Westhausen nur vier Kilometer südwestlich gelegenen Dorf Gompertshausen geboren und heiratete einen Westhauser, Claus; als das Verfahren gegen sie eröffnet wurde, war sie 53 Jahre alt. Nach Folter und Anschuldigungen wurde sie schließlich freigelassen.
Hexenprozesse, Folter und Hinrichtungen gab es im gesamten Heldburger Unterland, doch niemand aus Westhausen wurde Opfer und die hiesigen Pfarrer nahmen nicht an diesen Prozessen teil. Hinter solchen Anschuldigungen steckten häufig Streitigkeiten um Land und Eigentum, besonders nach der durch den Dreißigjährigen Krieg (1618–48) verursachten Verwüstung und Armut. Sogenannte Hexentürme, in denen diese brutalen Prozesse stattfanden, finden sich beispielsweise in Heldburg und Hildburghausen.
Zwischen Haubinda und Linden befindet sich ein markanter Hügel, der heute Hexenhügel genannt wird. Das war aber nicht immer sein Name. Wahrscheinlich diente der Hügel als Plattform für einen Aussichtsturm der Landwehr – eine territoriale Grenze zwischen Sachsen, Bayern und den angrenzenden Regionen, bestehend aus tiefen Gräben und Hecken sowie regelmäßig aufgestellten Wachtürmen – die genau hier entlang verläuft. Dies erklärt den abgeflachten Gipfel des Hügels und seinen ursprünglichen Namen Questenhügel (Quastenförmiger Hügel).Es ist nicht ungewöhnlich, dass solch markant aussehende Hügel in der späten Neuzeit mit Hexen in Verbindung gebracht wurden.
Der sogenannte Hexenhügel ist Teil eines der attraktivsten Wanderwege der Gegend, durch Wald und Felder an der Landwehr entlang – siehe die Online-Wanderkarte. Abschnittsweise verläuft der Weg entlang der ehemaligen BRD/DDR-Grenze und gehört zum Grenzwanderweg.
Johann Daniel Elster, Komponist und Ehemann von Rosie (Röschen) Bohlig, der Tochter des erfolgreichen Weinhändlers, verwaltete das Gut in Haubinda von 1829 bis 1837 und wohnte mit ihr im Gutshaus ihres Vaters. Das ehemalige Rittergut befand sich seit dem 14. Jahrhundert im Hennebergischen Besitz und wurde von der Burg Straufhain verwaltet, dann später von der Veste Heldburg. Nach dem Aussterben des Henneberger Adelsgeschlechts in 1583 wechselte der Besitz häufig. Ab dem Jahr 1827 ging das Gut endgültig in bürgerlichen Besitz über, erst Weinhändler, dann Industrielle, was die sich verändernden wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen in Deutschland widerspiegelt.
Bevor Elster sich in Haubinda niederließ, hatte er aus Liebesskummer (Rosies Vater war gegen die Beziehung) als Duellist, als Fremdenlegionär auf Korsika und als Freiheitskämpfer in Griechenland ein ziemlich buntes und gefährliches Leben geführt – anscheinend suchte er überall die Gefahr. Im Jahr 1827 kehrte er aufgrund der Nachricht, dass sein „Röschen“ nun verwitwet war, in seine Heimat zurück. Nun durfte er sie endlich heiraten, und sie zogen gemeinsam in dem Rittergut in Haubinda ein. Sie hatten jedoch nur kurze Zeit zusammen: Rosie starb 1834.
Bevor Elster sich in Haubinda niederließ, hatte er aus Liebesskummer (Rosies Vater war gegen die Beziehung) als Duellist, als Fremdenlegionär auf Korsika und als Freiheitskämpfer in Griechenland ein ziemlich buntes und gefährliches Leben geführt – anscheinend suchte er überall die Gefahr. Im Jahr 1827 kehrte er aufgrund der Nachricht, dass sein „Röschen“ nun verwitwet war, in seine Heimat zurück. Nun durfte er sie endlich heiraten, und sie zogen gemeinsam in dem Rittergut in Haubinda ein. Sie hatten jedoch nur kurze Zeit zusammen: Rosie starb 1834.
Daniel Elster hatte vielseitige Interessen. Er gehörte dem Kreis um den Reformpädagogen Johann Pestalozzi in der Schweiz an und kannte dadurch auch die zwei Lehrer von Prinz Georg von Meiningen. Hier gibt es also schon früh eine Verbindung Haubindas mit der Herzogsfamilie und dem Hof in Meiningen. Über Elster und Prinz Georg spannt sich ein roter Faden von Pestalozzi und seinem Kreis von Reformpädagogen zu dem sogenannten „Deutschen Pestalozzi“, Hermann Lietz.
Dies könnte erklären, warum der spätere Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen, als Förderer der Künste auch als „Theaterherzog“ bekannt, dem Vorhaben von Hermann Lietz so positiv gegenüberstand und ihm vorschlug, das Anwesen in Haubinda zu kaufen, auf dem der ihm wohlbekannte Elster gelebt hatte. Georg besuchte Westhausen in 1886 und 1887 und schenkte der Familie Röder vom Hofbauernhof eine Prachtbibel. Diese Familiarität mit der Gegend war wohl auschlaggebend für den Fortlauf der Geschichte.
Diese Verbindung spielte bis ins 20. Jahrhundert hinein eine Rolle in der Geschichte der Gegend. Nachdem Lietz das Anwesen unter Mitwirkung von Herzog Georg erworben hatte, reservierte Georg eine Parzelle für seinen Sohn Ernst. Nach dem Ersten Weltkrieg, der mit der Gründung der Weimarer Republik zur Abschaffung des Herzogtums führte, ließ Ernst hier ein Haus für sich und seine Familie bauen und nahm eine Stelle als Kunstlehrer an der Schule an – er war ein versierter Künstler und bekannt als „der Malerprinz“.
Das imposante, im Jahr 1921 fertiggestellte „Prinzenhaus“ dient heute als Schulinternat. Der Architekt war Paul Schultze-Naumburg, eine bedeutende Persönlichkeit der deutschen Volksarchitekturforschung und Mitbegründer des Denkmalschutzes in Deutschland. Die „Augenbrauenfenster“ und steilen Dächer sind typisch für seinen Stil.
Trotz seines anfänglichen Erfolgs stieß er mit seinen Ideen bei den herrschenden Nationalsozialisten zunehmend auf Ablehnung, die sich der bombastischen, neoklassizistischen Architekturvision von Albert Speer zuwandten. Seine Karriere geriet ins Stocken und erholte sich nie.
Die wohlhabenden Bohligs waren herzogliche Hoflieferanten zu Meiningen, wie auch die Kräger Weinhändler Dynastie, die ab 1840 das Gut in Haubinda übernahm; sie alle stammten aus Benshausen und waren miteinander verwandt.
Seit dem 15. Jahrhundert erlangte Benshausen durch den Weinhandel einen hohen Bekanntheitsgrad und zunehmenden Wohlstand, was man heute noch an der Größe und Qualität der vielen Fachwerkgebäude und Keller aus jener Zeit sehen kann. Heute gehört es zur Stadt Zella-Mehlis.
Ein Backsteinkeller in Haubinda, der jetzt als Besucherzentrum der Hermann-Lietz-Schule ausgebaut wird, wurde schon 1778 als Weinkeller errichtet. Dieser könnte als Lagerstätte für Wein aus dem gesamten Anbaugebiet gedient haben, oder einfach zum Vergnügen der Gutshausbesitzer angelegt worden sein. Wein war das bevorzugte Getränk in Südostdeutschland, und seine Produktion und sein Handel waren zu dieser Zeit ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor, auch wenn die Gegend heutzutage mit Bier assoziiert wird. Doch dies sollte nicht von Dauer sein.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die amerikanischen Rebläuse in Deutschland eingeschleppt. Sie verbreiteten sich rasch, was den Weinhandel stark beeinflusste und z. T. komplett zum Erliegen brachte. In dieser Zeit wurden die meisten Weingärten in der Gegend aufgegeben. Die örtlichen Weinhändler gerieten in finanzielle Schwierigkeiten.
Die Kräger heirateten in die Familie Ballhausen ein. Dieser Dynastie von Industriellen aus Erfurt, später zu Freiherrren erhoben, gehörte das Gut dann bis ins 20. Jahrhundert hinein.
Nicht nur Wein wurde von den durstigen Rittergutbesitzern getrunken. 1830 wurden die Bohligs des illegalen Bierbrauens beschuldigt. Rosie und Daniel müssen dann wohl eine Braurechtlizenz für Haubinda erhalten haben, denn auf der Karte von 1863 ist neben dem Herrenhaus (Gutshaus) und dem Brauhausteich eine Brauerei zu sehen (siehe Online-Karte).
Dieses Gebäude existiert nicht mehr, aber das alte Brauhaus in Westhausen wurde renoviert und wird heute von der Dorfgemeinschaft genutzt. Von großem Interesse sind die alten Fotos der Brauerei, die oben zu sehen sind. Die Brauereimaschinen wurden 1996 in das Freilichtmuseum in Hohenfelden gebracht. Einige Menschen in Westhausen empfanden dies als einen traurigen Tag, da Westhausen seit 1690 eine Brauhaus-Lizenz zum Bierbrauen besaß! Interessierte Besucher und Besucherinnen können ein ähnliches, noch funktionierendes traditionelles Dorfbrauhaus in Hellingen besichtigen.
Eine große Menge Bier wurde gebraut, das in Kellern am nordöstlichen Rand des Dorfes auf der Straße nach Streufdorf gelagert wurde. Diese sind im architektonischen Stil des 18. Jahrhunderts erbaut worden, eines davon ist unten gegenüber zu sehen. Solche frühen „Kühlschränke“ waren unerlässlich, um große Mengen Bier herzustellen und dann zu lagern. Bier (oder Wein) war bis zur Einführung moderner Hygiene- und Wasserstandards das einzige sicher zu konsumierende Getränk.
Westhausen hatte zwei Gasthäuser: Zum Grünen Baum, heute Wirtsgasse 21, und zum Schwarzen Ross, Hauptstr. 105, nahe dem alten Westtor und der Kirche. Letzteres ist heute noch geöffnet und heißt seit etwa 300 Jahren Gäste willkommen. Es wurde von Hans Ruckert (1690–1752), einem Verwandten des berühmten Dichters Friedrich Ruckert (1788–1866), erbaut. Beide sind sehr große und beeindruckende Gebäude aus dem frühen 18. Jahrhundert. Wie bereits erwähnt, besitzt der Grüne Baum einen großräumigen Keller aus dem Jahr 1552.
Das früheste Kriegerdenkmal ist eine Steintafel, die heute in ein späteres Denkmal auf einem Hügel zwischen Haubinda und Schlechtsart eingebaut ist. Von Hanstein, der letzte adlige Besitzer des Guts Haubinda, ließ dieses Denkmal 1816 errichten. Es erinnert an die sogenannte Völkerschlacht bei Leipzig, in der mehrere Nationen die Truppen Napoleons besiegten. Die ungewöhnliche Inschrift lautet: „Aus tiefer Schande auf Leipzigs Feldern 18. Okt 1813 Deutschland gerettet.“ Der Tafel ist heute in den Sockel eines großes Steinkreuzes eingelassen.
Auf einer anderen Seite des Sockels befindet sich eine weitere Inschrift, diesmal zum Gedenken an die ortsansässigen Männer, die im Deutsch-Französischen Krieg von 1870–71 kämpften, der zur Einigung Deutschlands führte. Das Kreuz trägt die Inschrift „Einheit macht Stärke“. Fünf Namen werden genannt, einer davon ist Rudolf Ballhausen aus der Familie, die nun das Herrenhaus in Haubinda besaß. Die andere waren Adam Scheuner, Rudolf Scheuner, Georg Korn und Ernst Keller.
Diese Männer scheinen den Krieg überlebt zu haben, aber ein weiterer kehrte nicht zurück. Er wird durch ein großes Granitkreuz auf dem Kirchhof in Westhausen geehrt. Am ungewöhnlichsten ist, dass sich in der Mitte ein Foto dieses jungen Mannes befindet. Gustav Scheller, der am nördlichen Ende der Schellerstraße in Westhausen lebte, sieht uns entgegen mit einem durchdringenden Blick. Dies ist vielleicht das früheste Foto eines Westhausers – es muss vor seinem Kriegsausbruch aufgenommen worden sein, da er keine Uniform trägt. Geboren am 6. März 1849, starb er am 16. Oktober 1871, also nach Kriegsende im Mai 1871, möglicherweise an seinen Verletzungen oder Krankheit, im Alter von nur 22 Jahren.
Weiterhin gibt es Denkmäler für die beiden Weltkriege. Hier sind viele weitere Namen von Männern zu finden, die ihr Leben in diesen Kriegen verloren. In Schlechtsart ist ihnen ein weiteres Denkmal in Form einer großen Granitplatte gewidmet, nicht weit von der oben genannten zu sehen. Ein mit einem Adler verziertes Denkmal steht neben dem Schellerkreuz in Westhausen.
Doch vielleicht am ergreifendsten sind die schlichten Holzkreuze im Gedenkgarten auf dem Schulgelände in Haubinda, die an fünf junge Männer erinnern, die wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs im April 1945 starben. Ein Kamerad der Verstorbenen, Dr. Hermann Wesely, schrieb: „Ihr wart nicht nur Soldaten, mir wart ihr mehr.“
Als die amerikanischen Soldaten Haubinda erreichten, wollten sie die Schule zerstören, da sie sie für eine Basis für "Werwölfe" hielten. Dies waren engagierte Nazis, die die Alliierten und jeden Neuanfang nach dem Krieg stören sollten. Frau Pool, eine mutige litauische Sprachlehrerin mit guten Englischkenntnissen, überzeugte jedoch den Sherman-Panzerkommandanten, der seine Kanone bereits auf das Hauptgebäude der Schule gerichtet hatte, dass es sich nur um ein Internat handele und es vor Ort keine Soldaten oder andere Bedrohungen gebe. Frau Pool sprach zudem Russisch und unterstützte die Zusammenarbeit mit den sowjetischen Kommandanten, nachdem diese das Gebiet nach Kriegsende übernommen hatten
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Die Geschichten und Bilder auf diesem Tab stammen aus dem Buch „Ausgewählte Geschichten aus der Vergangenheit“ von Joseph Elders.
Sie beschreiben verschiedene Ereignisse vom Frühmittelalter bis in die heutige Zeit, die sich in der Nähe von Westhausen ereignet haben und decken Themen ab, die von tragischen Soldatenschicksalen bis hin zu Rittern, Gutsherren, Prinzen, Hexen, Weinhändlern, Bierbrauern, trunkenen Pfarrern und mutigen Lehrerinnen reichen.
Die Grundlage für diese Geschichten ist die ausgezeichnete und umfassende Chronik von Westhausen and Haubinda, Reinhold Alberts 2001, die anlässlich des 1200-jährigen Jubiläums veröffentlicht wurde (ISBN 3-86180-117-05). Kopien sind nicht verfügbar; Anfragen können an die Gemeinde Westhausen gerichtet werden
Der Autor ist Archäologe, und hat versucht diese Sichtweise einzubringen. Fehler sind seine eigenen.
Die historischen Karten und Lidar-Daten werden bereitgestellt von dem Thüringer Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation https://tlbg.thueringen.de/
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